„Zwei mal Nein heißt ja“
Muntere Analyse in Sachen Liebe im Boulevard Münster
Harald … 44, verloren, vergessen, einsam: So steht es
um den Helden in Toni Dunhams kurzweiliger Komödie
„Traumfrau verzweifelt gesucht“, die jetzt im Boulevard
Münster Premiere feierte und mit viel Applaus
bedacht wurde. Regisseur Klaus-Dieter Köhler hat das
launige, pointenreiche Stück als Slapstick-Komödie inszeniert,
die zusehends Tempo aufnimmt. Schon deswegen,
weil der Held aus dem Monolog stets in die
Handlung springt. Das Stück bietet damit eine Steilvorlage
für die Darsteller: Klaus Nicola Holderbaum spielt
den Helden mit viel Charme, schneidet köstliche Grimassen
- und glänzt als biegsamer Tänzer, der mit Lina
Sophie Weide einen Schwof zur rauchigen Stimme von
Sade hinlegt, der das Publikum vor Vergnügen johlen
lässt. Weide ist eine kongeniale Partnerin, die sich – in
schrillen Klamotten – in mehreren Rollen bewährt: als
Trish, die Exzentrische, die Harald ebenso überfordert
wie Kamilla, die Theatralische, Anja, die Intellektuelle,
oder Gaby, die Coole, die gern direkt zur Sache kommt…
Michaela Fleischer komplettiert das spielfreudige Darsteller-
Trio, das zwischen den mobilen Wänden mit
Münster-Motiven von Elke Ober agiert. Sie ist Henriette,
die gute Freundin Haralds, die ihn berät – und am
Ende die naheliegende Lösung präsentiert. Die da lautet:
Tausend mal berührt…“. Der Schluss kommt nicht
unerwartet, doch Holderbaum und Fleischer gestalten
auch diese Szene so charmant, dass es schon dafür
Applaus gibt. (Petra Noppeney, WN, 14. Juni 2011)
„Im langen Schatten der Ex“
„Traumfrau“ am Boulevard
… „Traumfrau verzweifelt gesucht“ ist kein brüllender
Schenkelklopfer, sondern ein Stück mit feinerem Humor,
das durch seine Handlung fesselt. Es ist komisch,
aber auch melancholisch, wie der Autor den Schmerz des
Verlassenwerdens seziert. Harald zitiert bei jedem Date
den letzten Satz seiner Ex: „Harald, ich komme nicht zu
dir zurück, niemals.“ Ein schrecklicher Satz, aber der Betrogene
wittert darin „eine doppelte Verneinung“ und
meditiert darüber wie ein tibetanischer Mönch: Hat sie
es anders gemeint, kommt sie doch zurück? … Regisseur
Klaus-Dieter Köhler inszeniert stilvoll eine klassische
Komödie mit viel Musik der 80er und überraschend eleganten
Tanzeinlagen der Schauspieler. Klaus Nicola Holderbaum
überzeichnet den armen Tölpel Harald nicht,
sondern spricht sehr gut mit wohltönender Stimme,
ebenso wie Michaela Fleischer als taffe beste Freundin.
Lina Sophie Weide spielt sämtliche Annoncen-Damen
und hat vom Sex-Vamp aus Berg Fidel bis zur esoterischen
Museums-Schnepfe alles drauf. Sie trägt sogar
eine rote Nena-Perücke mit Würde.
Bühnenbildnerin Elke Ober durfte in diesem Boulevard-
Stück schockierenderweise kein Wohnzimmer bauen,
sondern schuf drehbare schwarze Wandpaneele, auf
deren Rückseiten liebevoll die Schauplätze der Verabredungen
gemalt sind. … Ein bittersüßes Sommerstück,
tröstlich für Singles, mahnend für Paare, komisch
für alle. (Manuel Jennen, MZ, 14. Juni 2011)
