Zwei wie Bonnie und Clyde
von Sabine Misiorny und Tom Müller
„Der gespielte Blondinenwitz"
MÜNSTER Manni und Chantal haben eine Bank
ausgeraubt. Nun sitzen sie mit ihrer Beute in einem
verlassenen Lagerhaus und fühlen sich toll. Manni
pult sich mit dem Zahnstocher im Mund herum und
sagt schnoddrig: „Baby, wir beide sind wie Bonnie
und Clyde!" „Aha", sagt Chantal, „und wer von den
beiden bin ich?"
Das Gangsterpärchen hat sich zu früh gefreut, denn
in der erbeuteten Plastiktüte stecken nicht 100.000
Euro, sondern Kaffee und Klopapier. Tom Keidel ist
als Manni ein Möchtegern-Dandy... Sein verzweifeltgenervtes
Mienenspiel ist den ganzen Abend hindurch
ein Vergnügen. Barbara Feldbrugge spielt das
Dummchen hingegen mit einer wunderbar naiven
Entspanntheit. Ein sexy Wonneproppen, der sich
von keiner Katastrophe unterkriegen lässt. Der Clou
der Inszenierung liegt aber vor allem darin, dass die Regie
das Stück ins Münsterland verlegt hat. Das Lagerhaus
gehört dem Schuhgeschäft Zumnorde, im Radio
läuft Antenne Münster, die ausgeraubte Sparkasse liegt
in Schapdetten. Und im Zuschauerraum prangt ein Panorama
des Prinzipalmarkts mit leuchtend hervorgehobenen
Geschäftsnamen - das subventionslose Boulevardtheater
hatte mit dem Sponsoring diesmal Glück,
und das ist gut so. Manuel Jennen, MZ, 21. Juni 2010)
„Zwei Schlamassel-Spezialisten"
Münster - Eine Premiere wird zum parodistischen
Feuerwerk - mit einer Mischung aus Wortwitz und
jeder Menge Spielfreude versprüht das dilettantische
Gauner-Pärchen Manni und Chantal seine humoristischen
Funken gen Publikum. Dessen Reaktionen
entladen sich in einer Woge der Begeisterung, die
kombiniert mit den grandiosen Darbietungen der
Schauspieler Tom Keidel und Barbara Feldbrugge
alias Manni und Chantal eine wunderbare Symbiose
ergibt.
Münsters Boulevard-Theater am Freitagabend - die
Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde" von Sabine
Misiorny und Tom Müller feiert in der Regie von
Klaus-Dieter Köhler Premiere. ... realitätsfremd und
orientierungslos stürzt das verrückte Gauner-Paar beim
versuchten Banküberfall von einem Schlamassel in
den nächsten. Den Beiden fehlen die kriminelle Energie
und Intelligenz, um wie ihre legendären Vorbilder
Bonnie und Clyde vorzugehen. ...Mit zunehmender
Spieldauer nehmen die hinreißend komischen Protagonisten
Fahrt auf - was intensive Auswirkungen auf
die Zuschauer hat: Einige grunzen oder weinen gar
vor Lachen, andere krümmen sich und halten ihren
Bauch. Das Publikum ist ganz vernarrt in das liebenswert
chaotische Gauner-Pärchen sowie in das Lokalkolorit,
mit dem das Stück ausstaffi ert ist. Das Schuhgeschäft
und eine Bank in Handorf sind nur einige der
Schauplätze des skurrilen Geschehens. Während der
knapp zweistündigen Unterhaltung belohnen die Zuschauer
das dynamische und temporeiche Schauspiel
mit stetigem Szenen-Applaus und gen Ende mit regen
Beifallsstürmen. Stefanie Beermann, WN, 21. Juni 2010)
