" EIN JACKSON ZUVIEL "

von Arthur J. Newfield

es spielen für Sie: Michaela Fleischer, Angelika Ober, Marc Zabinski, Neven Noethig, Magnus Heithoff.

Regie:Roland Heitz.............Bühnenbild:Elke Ober

Vom 02. Dezember 2011 bis 05. März 2012

Die Presse

„Meisterschaft im Seitensprung“

Münster – Ist es besser zu wissen oder nicht zu wissen?

Das ist eine der kleinen, feinen Fragen, die das

neue Boulevardtheater-Stück „Ein Jackson zuviel“ zum

Schluss sehr charmant in den Raum stellt. Eine hübsche

Treue-Komödie mit Hintersinn, bei der das Premierenpublikum

am Freitag oft und herzhaft lachte. Zwei

der Gründe: Es gibt viel nackte Haut zu sehen – und Angelika

Ober hat einen Auftritt, der in die Annalen des

Theaters eingehen wird!

Arnold Schwarzenegger tat es, Tiger Woods, Jude Law

und Jesse James auch: Sie hüpften in ein fremdes Bett.

Prominente Fremdgeher lassen sich viele finden. Auch

Frauen. In dieser Disziplin stehen sie den Männern in

nichts nach. Studien belegen: Jeder Zweite betrügt mindestens

ein Mal seinen Partner. Wie ist das also mit der

Treue? Bei den Paaren in Arthur Newfields „Ein Jackson

zuviel“ hapert es damit gewaltig. Hier betrügt fast jeder

jeden.

Nancy Vallone (Michaela Fleischer) ist von ihrem Mann

John (Marc Zabinski) so gelangweilt, dass sie mit dem

verheirateten Nachbarn Phil Dabney (Neven Nöthig)

anbandelt. Doch selbst der bringt es im Bett nicht mehr:

Die Komödie beginnt mit einer Flaute im pinken Herrenhöschen!

Phil Dabneys betrogene Ehefrau Dorothy

(Angelika Ober) hat wiederum selbst ein Verhältnis. Mit

Bob Jackson (Magnus Heithoff), einem Freund ihres

Mannes. Der Seitensprung-Klassiker!

Das Stück zeigt die Liebeleien aus zwei Perspektiven:

Vor der Pause bei den Vallones, nach der Pause spult

die Zeit zurück und der Zuschauer sieht, was sich im

Nachbar-Appartement der Dabneys abspielte. Ein Super-

Kniff. Und ein großes Lob für Elke Ober, die hier

gleich zwei Londoner Penthouse-Wohnungen üppig

mit Kunst und Kitsch auf die Bühne baute.

Das teuflisch-heitere Wer-mit-wem lebt vom perfekten

Timing der Schauspieler und der gelungenen Mischung

aus Überdrehtheit und Glaubwürdigkeit der

Charaktere. Regisseur Roland Heitz hat das alles genau

richtig eingestellt. Es wird entlarvt, haarsträubend gelogen

und großartig gestammelt, es wird mit Pistolen

gefuchtelt, es gibt temporeiche Verfolgungsjagden über

Tische und Sofas, waghalsige Balkon-Sprünge, aber

auch ganz trockenen Humor und messerscharfe, süffisante

Dialoge über die Liebe und den Kitt, der sie zusammenhält.

Zu schlüpfrig wird Heitz dabei nie, auch

wenn er unter die Gürtellinie zielt und sich dabei alle

ständig an- und ausziehen.

Das Ensemble spielt mit Witz, Tempo und vollem

Körpereinsatz. Als Heithoff sich seiner Raubtierunterwäsche

entledigt und nur noch Melone trägt – allerdings

nicht auf dem Kopf (!) – ist die Stimmung schon ganz

oben. Das Kostüm des Jahres hingegen trägt Angelika

Ober. Ihr Auftritt als Domina mit Muschel-BH ist allein

schon den Besuch des Stückes wert. Was Ober und Carla

Brocks da aus dem Kostümfundus zusammengetüftelt

haben, ist einfach ein Meisterwerk der Scheußlichkeiten.

Dass danach tatsächlich noch Platz ist für die

Gretchen-Frage, macht ein gutes Stück, einen guten

Regisseur und ein gutes Ensemble aus.

 

(Sabine Müller, MZ, 05. Dezember 2011)